Geschichte

Die Geschichte der romanischen Burganlage in Volkerode geht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Volkerode wurde bereits 1181 urkundlich als „Wocolderot“ erwähnt. In dieser Zeit wurden große Waldflächen auf dem Eichsfeld gerodet, weil neues Ackerland gebraucht wurde, um die Menschen, die hier siedeln wollten, zu ernähren. Wir gehen davon aus, dass in der Gegend des heutigen Volkerode ein Volker oder Volkhold den Wald gerodet hat. Diese Periode der Waldrodungen begann im 8. Jahrhundert und endete im 13. Jahrhundert. Volkerode gehört zur 3. Siedlungsperiode.

 

Ein bauhistorisches Gutachten aus dem Jahre 2008 zeigt, dass die Ursprünge der romanischen Burganlage am Anfang des 12. Jahrhunderts liegen. Der älteste Teil der Anlage ist ein Gewölbekeller der unter dem Herrenhaus liegt. Das Martinsstift zu Heiligenstadt besaß 1227 Güter in Volkerot, die früher Ritter Heinrich von Berckenfeld besessen hatte. Die Besitzer des Ortes werden die Ritter von Volkerode genannt. Sie besaßen die Gerichtshoheit in dieser Gegend.

 

Die Kemenate ist datiert ursprünglich im 13. Jahrhundert mit einem Aufbau und Fenstern aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit werden Konrad von Hanstein und Gemahlin Margarethe von Hardenberg als Besitzer des Schlosses in Volkerode genannt. Da keine männlichen Nachkommen beim Tod vorhanden waren, fiel das Gut in Volkerode wieder dem Kurfürsten in Mainz zu. Bis zur Hälfte des 17. Jahrhunderts lebten die von Volkerode hier. Nach dem Aussterben des Adelsgeschlechts fiel der Anteil am Gericht wieder dem Kurfürsten von Mainz zu. Danach bekamen diese Anteile 1661 die von Harstall und nach deren Aussterben die von Weihers. Als 1815 auch bei der Familie von Weihers der Mannesstamm ausgestorben war, bekam Graf Keller diese Anteile. Er war der Bevollmächtigte des preußischen Staates bei den Höfen in Petersburg und Wien. Graf Keller hatte das Großherzogtum bereits mehrere Male vertreten, bekam dafür aber eine sehr geringe Bezahlung. Die Besitzungen mit dem Gericht sollten eine Entschädigung darstellen. 1821 wollte Graf Keller das Rittergut Volkerode verkaufen. Er war Besitzer der Hälfte dieses Rittergutes. Die andere Hälfte gehörte den Freiherren von Bommelberg, von Bayneburgk und von Verscher. Zum Verkauf des gesamten Rittergutes war er bevollmächtigt. Zum Gut zählten ein neues Vorwerk, Ackerland, Gärten und Wiesen, eine Schäferei sowie 300 Schafe und verschiedene Waldbezirke. All dies konnte der Käufer durch die Unterzeichnung eines besonderen Vertrages käuflich erlangen.

 

Im Jahr 1822 wurde das Rittergut erneut vom Grafen von Keller zum Verkauf ausgeschrieben. Erst 1824 kaufte Peter Wehr, Pächter des Gutes Kalkhof bei Wanfried, dem Graf von Keller das Rittergut Volkerode ab. Ferdinand Wehr, der Enkel von Peter Wehr, verkaufte das Anwesen 1876 an die Rittergutpfänder Rünzheim und Hammerschlag aus Eschwege. Diese wiederum verkauften es nach und nach an die Landwirte der Gemeinde. 1887 taucht in der Geschichte der Name „Gutsbesitzer Georg Ständer“ auf. Dieser kaufte das Restgut. Die Familie Ständer, denen das Schloss nun gehörte, hatten sieben Söhne: Kaspar, Wendelin, Ferdinand, Martin, Otto, Wilhelm und Theodor. Kaspar lernte Schmied und baute sich auf dem zweiten Schlosshof ein Haus und eine Schmiede. Da er einen Beruf hatte, bekam er weniger Land vererbt. Ferdinand erbte den Schlosshof. Hier wohnte er auch die folgenden Jahre. Er betrieb dort Landwirtschaft und eine Gastwirtschaft. Diese wurde in den Anfangsjahren des 2. Weltkrieges geschlossen. Sein Sohn Martin erbte es, dann dessen Tochter Irma. Irma verkaufte das Anwesen an Karl Ständer. Dieser verkaufte es nach der Wende an einen Mann aus dem Westdeutschland. Dieser gab an, das Anwesen zu unterhalten, aber stattdessen ließ er es verfallen. Da der Besitzer insolvent war, wurde das Anwesen von der Bank versteigert. Jahrelang war die Bank dabei erfolglos das „Schloss“ zu verkaufen. 2009 ersteigerte es die Gemeinde Volkerode für den Förderverein „Volkeröder Schloß“.

 

Ein genaues Geschlechtsregister der Ritter von Volkerode gibt es nicht, aber in Urkunden werden sie oft als Besitzer von Gütern und Lehen genannt. Man versuchte zwar die Lebensumstände und Besitzverhältnisse aus dieser Zeit nachzuvollziehen, aber aus dem elften Jahrhundert fehlen die meisten Urkunden gänzlich oder Familien wurden nicht alle verzeichnet. Die Familien, die zum Geschlecht von Volkerode zählten, gehörten zum niederen Adel. Unter Adel verstand man zur damaligen Zeit nur den Hochadel. Es gab drei Stände: die Adligen, die Freigeborenen und die Knechte. Das Geschlecht derer von Volkerode ist aus dem Stand der Freigeborenen hervorgegangen. Aus der Klasse der Freigeborenen bildete sich der niedere Adel heraus. In alten Aufzeichnungen findet man auch die Namen „von Volkolderode“, „von Volkenrode“ oder „von Volkerode“. Die Familie von Volkerode war im Amte Greifenstein auf der Goburg, einem alten Adelssitz, angesessen. Ihnen gehörten mehrere Grundstücke in mehreren umliegenden Orten. Goburg war einst ein kleines Dorf mit festem Rittersitz. Dort lebte 1321 der Ritter Albert von Cuborc. Dieser dürfte identisch sein mit dem 1320 erwähnten Berld von Volkolderode. Das Schloss Goburg sowie das Dorf Volkerode befanden sich im Besitz des Adelsgeschlechtes von Volkerode. Im 15. Jahrhundert nannten sie sich meist „von Volkerode zur Goburg“. Die Ritter von Volkerode besaßen die Gerichtsbarkeit über das Dorf Volkerode und hatten dort einen eigenen Galgen. Im 14. Jahrhundert ungeklärte Besitzrechte an der Burg Stein, dem heutigen Bischofsstein.

 

1326 kaufte der Erzbischof von Mainz die Stadt und die Burg Stein. Die Burgherren waren von da an die Ritter von Volkerode. Aus wirtschaftlichen Gründen siedelten sich im 14. Jahrhundert die Bürger von Goburg im entstehenden Volkerode an. Es ist anzunehmen, dass die Herren von Volkerode die erste Kirche erbauten. Vor 1610 werden die von Volkerode als Patronsherren genannt. Den Pfarrer bestimmten sie.

 

In der Reformationszeit drehte der eichsfeldische Adel der Kirche den Rücken zu. Sie bekannten sich zum Protestantismus und bestellten statt einem Pfarrer einen Prediger in ihre Gerichtsdörfer. So auch das Adelsgeschlecht von Volkerode. Verantwortlich dafür war Philipp von Volkerode, denn er löste das Dorf vom Pfarrverband Kella ab. Er brachte die ganzen Bürger Volkerodes zum protestantischen Glauben. Dabei setzte er auch Gewalt gegen sie ein. Durch die Gegenreformation kehrten alle aber zum katholischen Glauben zurück. Die letzten Bürger traten 1609 wieder in die katholische Kirche ein. Philipp von Volkerode blieb aber weiterhin evangelisch. Das „Schlosse Goburg“ befand sich ebenfalls im Besitz derer von Volkerode. Sie waren auch als Grundbesitzer in der Nähe von Dingelstädt, in der Mark Duderstadt und bei Göttingen bekannt. In früheren Aufzeichnungen ist 1631 der Name Philipp von Volkorode zu finden. Er wurde von hessischen Musketieren überfallen und ausgeraubt. 1636 wird er ebenfalls noch einmal erwähnt. Philipp von Volkerode erhielt vom Mainzer Kürfürsten einen Verweis, da er den katholischen Pfarrer Martin Wagner aus Wiesenfeld aus der Kirche warf, da dieser über ihn geschimpft hatte.

 

Wann das Adelsgeschlecht von Volkerode ausstarb ist nicht bekannt. 1641 wird oft Adam Philipp als letzter des Geschlechtes genannt. In alten Aufzeichnungen findet man nur diese Namen aufgeführt:

 

1320                     Berthold (Berld) von Volkerode

1350                     Hans von Volkerode

1360                     Tile und Berthold von Volkerode

1376                     Hans, Berthold und Konrad von Volkerode

1380                     Kurt von Volkerode

1579                     Wolf, Wulf von Volkerode

1600/18                Philipp von Volkerode

1641                     Hans, Sohn von Philipp,

                            Adam Philipp von Volkerode

 

Die Kemenate wurde innerhalb von sieben Bauphasen immer wieder umgebaut und Erneuerungen vorgenommen. Die erste Bauphase ist auf das 12. Jahrhundert zurück zuführen. Man ordnete sie anhand von Befunden und Bauzusammenhängen in dieses Jahrhundert ein. Der romanische Baukörper besteht aus fugengerecht gesetzten Buntsandsteinquadern. Das turmartige Gebäude hat einen rechteckigen Grundriss. Er wurde durch einen Hocheinstieg erschlossen und durch schmale Schlitzfenster von vier Seiten belichtet. Die Schlitzfenster im dickwandigen Erdgeschoss verdeutlichen einen wehrhaften Charakter. Die Decke, die seit 1980 im Gebäude zu finden ist, liegt niedriger als die eigentliche Decke. Ein unregelmäßiger Abschluss der Mauerkrone weist darauf hin, dass dies nicht die Höhe des eigentlichen Mauerabschlusses ist. Da man nicht nachweisen kann, wann dieser Turm erbaut wurde, kann man auf Grund der Form davon ausgehen, dass es sich um einen Wehrturm oder einen wehrhaften Wohnturm einer Wehranlage handelt.  Man vermutet, dass es auch einen Wall und einen Graben gab. An einigen Stellen sind Ring- und Stützmauerreste zu finden. Zur Füllung des Grabens könnte der Königsborn gedient haben. Dies ist ein kleiner Bachlauf der früher durch den Ort verlief. Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1227, mit dem Besitzer Ritter Heinrich von Berckenfeld, muss das Bauwerk bereits existiert haben.

 

Die zweite Bauphase befand sich, nach Datierungen in den Stürzen der Spitzbogentür, in den Jahren 1557 bis 1558. In dieser Zeit wurden die Erdgeschosswände durchbohrt und Spitzbogenpforten eingebaut. Ein separates Treppenhaus wurde errichtet. Der Zugang war seit dieser Zeit nur noch vom Erdgeschoss möglich, da der Hocheinstieg zugemauert wurde. Auch die Gestaltung der Innenräume veränderte sich. Die steinseitigen Innenwände wurden mit weißem Kalk-Kellenputz überzogen. Die Geschosse oberhalb des ersten Erdgeschosses wurden vermutlich in dieser Zeit abgetragen. Als Dach besaß der Turm ein hohes, mehrgeschossiges Satteldach in Längsrichtung zum Grundriss. Dies ist an der Laufrichtung der Dachbalken zu erkennen. In dieser Zeit gehörte das Anwesen der Familie von Hanstein. Die Bauweise kommt auch in der Burg Hanstein vor, welche ebenfalls derer von Hanstein gehörte. Die von Hanstein begannen mit dem Umbau der mittelalterlichen Wehranlage zu einem Schloss.

 

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann die dritte Bauphase. Diese Phase ordnet man mit Hilfe von stilistischen Befunden an den Rundbogenpforten und den Bauzusammenhängen zeitlich ein. Im Hof der Kemenate befindet sich eine Rundbogenpforte, die der Renaissancezeit zugeordnet werden kann. Sie bestehen aus vier Werksteinen. Sie diente als Eingangspforte. Um wieder eine Verbindung zwischen Kemenate und Herrenhaus zu schaffen wurde der Hocheinstieg wieder geöffnet.

 

In der vierten Bauphase wurde vor der Kemenate ein größeres Gebäude errichtet. Von der Existenz dieses Gebäudes zeugen Balkenauflagebefunde an der Fassade der Kemenate. Als Verbindungstür wurde eine Rundbogenpforte im ersten Obergeschoss genutzt. Die Treppe zwischen Erdgeschoss und erstem Obergeschoss wurde entfernt und der Fußboden geschlossen. Die ersten Zwillingsfenster werden in dieser Bauphase eingebaut. Die Bauphase ist in die Zeit am Ende des 16. Jahrhunderts bis zum ersten Viertel des 17. Jahrhunderts einzuordnen. Die Baumaßnahmen sind in der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg von statten gegangen. Durch einen Angriff im Jahr 1631 wurde ein Teil des Anwesens zerstört.

 

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde das gesamte Obergeschoss mit einem Ausgleichsputz, also eine Mischung aus Lehmputz und Kalkmörtelputz, überzogen. Das Obergeschoss wurde seit dieser Zeit als Wohnraum genutzt. Das ist das Einzige was für die fünfte Bauphase nachweisbar ist.

 

In der sechsten Bauphase, also ca. Ende des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts, wurde die Kemenate sehr wenig verändert. Im Obergeschoss der Kemenate wurde ein Schlitzfenster zugemauert und verputzt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden die letzten großen baulichen Veränderungen statt. Zwischen 1824 und 1850 wurde das Dachgeschoss der Kemenate in die Querachse gedreht. Als Bedeckung wurden Ziegeln verwendet. Auch eine neue Treppe zwischen Herrenhaus und Kemenate wurde errichtet.

 

Seit einem Sturmschaden in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ist die Kemenate in dem Zustand einer Ruine.

 

In der Fotogalerie sind Bilder der Kemenate vor und nach der Restaurierung zu sehen. 

 

 

Auszüge aus der Seminarfacharbeit von Karoline Hartleib und Denise Ständer

Fachbetreuerin: Anna Elisabeth

Seminarfachbetreuerin: Frau Röttig vom Käthe-Kollwitz Gymnasium Lengenfeld u. Stein

 
 

Das Wappen derer von Hanstein kann gegenüber dem Kircheingang 

besichtigt werden. 

Das Reliev auf einer alten Abbildung von 1920 befindet sich an der Zentscheune. Die Zentscheune war früher ebenfalls ein befestigter Turm. 

Das Schlossensemble mit Herrenhaus, Kemenate und Linde auf einer alten Zeichnung. Auf diesem Bild ist die schlosstypische Mansarddachform ersichtlich. 

Das Wappenschild von Volkerode/Eichsfeld.

 

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